Medien|Denken – Kentaro Kawashima – Selbstdokumentation eines literarischen Punks

15.11.2022|KENTARO KAWASHIMA

Selbstdokumentation eines literarischen Punks. Über Rolf Dieter Brinkmanns Rom, Blicke


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Medien|Denken Winter 22/23 

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Abstract

Rolf Dieter Brinkmann, einer der ersten deutschen Popliteraten, nimmt ästhetisch Punk vorweg. Antibürgerliche, raue Sprache, anarchische Attitüde, pauschale Negation der Gesellschaft, gnadenlose Attacke gegen europäische Kultur, wovon etwa sein autobiographisches Reisealbum Rom, Blicke geprägt ist, hört man auch im Punk-Rock, der sich seit der Mitte der 1970er Jahre vom Mainstream der Rockmusik ausdifferenzierte. Aufzeichnungen, Briefe, Fotografien und andere Dokumente, die gesammelt wurden, um Brinkmanns Leben vom Oktober 1972 bis Februar 1973 in Italien zur Schau zu stellen, implizieren eine ästhetische Dimension, die er mit Punk-Rock teilt: Apokalyptische Kulturkritik zugunsten des Authentischen. Seine manische Selbstdokumentation, durch die Brinkmann den zivilisatorischen Kontroll- und Zuchtmechanismus des Abendlandes unterlaufen will, liest sich wie eine Performanz der Selbstentblößung, des Nackt-Werdens auf der Textbühne, das die Oberfläche der Lüge von Kultur zu annullieren versucht.


Biographical Note

Kentaro Kawashima, geboren 1972, studierte Germanistik an der Keio-Universität in Tokyo und an der Ruhr-Universität Bochum; er wurde 2009 in Bochum promoviert. Das aus der Promotionsarbeit entstandene Buch Autobiographie und Photographie nach 1900 – Proust, Benjamin, Brinkmann, Barthes, Sebald ist 2011 bei transcript erschienen. Derzeit ist er Professor am Germanistischen Seminar der Keio-Universität. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Autobiographie, Literaturtheorie, Medientheorie sowie Literatur und Recht.