Workshop – Virtualität und Fernsehen

Organisiert vom Virtual Humanities Lab (Christoph Engemann, Thomas Nyckel, Isabel Schmiedel, Florian Sprenger), Ruhr-Universität Bochum

Der Workshop Virtualität und Fernsehen widmet sich den bislang weitgehend unerzählten Geschichten des Fernsehens als Medium der Virtualität. Bevor digitale Computer, Spiele und Simulationen die Imaginationen des Virtuellen monopolisierten, war der Film das Leitmedium, an dem Fragen des Möglichen, des Werdenden und des Denkbaren verhandelt wurden. Das Fernsehen hat als vermeintlich triviales Massenmedium für diese Debatten meist kaum eine Rolle gespielt. Bei genauerem Blick zeigt sich jedoch, dass das Fernsehen gerade in seinen oft öffentlich-rechtlich finanzierten experimentellen Formaten, aber auch in den kommerziellen Varianten der Interaktion sehr früh digitale Technologien genutzt und eigene ästhetische Formen hervorgebracht hat. Die technischen Möglichkeiten, das Fernsehsignal digital zu bearbeiten und virtuelle Inhalte in das Bild zu fügen, finden in den 90er Jahren weite Verbreitung. Während die kunsthistorische Bedeutung dieser Entwicklung unter dem Stichwort Medienkunst – man denke nur an Nam June Paik – gut erforscht ist, steht eine medienhistorische Beschäftigung mit der Verschränkung televisueller und virtueller Formate noch weitestgehend aus. 

Der Workshop nimmt – eng am Material und mit vier Vorträgen – die Formate und Visualitäten in den Blick, mit denen das Fernsehen zu Beginn der 90er Jahre als Ausblick auf ein anderes Medium experimentiert – von telefongebundenen Animationsspielen im Vorabendprogramm bis hin zu Van Gogh TV. Wie wurde damals – und wie wird heute – Virtualität als Medium des Fernsehens gedacht? Wie lässt sich die Geschichte „ephemerer Virtualität“ im Fernsehen schreiben, d.h. des Zusammenfügens von Fernsehsignal und bearbeiteten Bildelementen? Wie wird das Fernsehen zu dieser Zeit durch Virtualität zu einem Medium der Interaktion? Ziel des Workshops ist die materialnahe Herausarbeitung der Bedingungen und Implikationen, die mit der Entfaltung von Virtualität in einem anderen Medium einhergehen. 

Wir bitten um Anmeldung bis zum 10.6. an virtualhumanitieslab@ruhr-uni-bochum.de

Veranstaltungsort: Universitätsstraße 105, Raum EG 014

Programm

9:30                       Begrüßung und Einführung

10:00                     Benjamin Heidersberger (Berlin): Van Gogh TV – Piazza virtuale (1992) auf der documenta IX. Die Entwicklung technologischer Möglichkeiten, neuer Formen der Interaktion, der Darstellung, der Visualität und der Kollaboration und damit ein möglicher Vorläufer sozialer Medien

11:00-11:15        Pause

11:15-12:15        Christoph Ernst/Jens Schröter (Bonn): Mapping Piazza Virtuale

12:15-13:15        Mittagspause

13:15-14:15        Cecilia Valenti (Mainz): Im Fluss bleiben – ironische Virtualisierungen im Neofernsehformat «Blob»

14:15-14:30        Pause

14:30-15:30        Annette Urban (Bochum): „To whom or what is one a you?“ – Televisuelle Virtualitäten in der Gegenwartskunst

15:30-16:00        Abschlussdiskussion